Dienstag, 2. August 2016

Wieder einmal war ein Besuch im Pflegeheim fällig. Und natürlich waren Pat und Patachon, meine Geschwister, schon dort. Wir saßen dann alle fünf zusammen und tranken Kaffee. Ich ließ das alles relativ gut an mir vorbei ziehen. Sagte zu den Monologen meines Bruders immer nur ja und konnte mich ganz gut unter Kontrolle halten, einzusteigen und zu dem ein oder anderen Bullshit meinen Kommentar abzulassen, wie ich es früher so oft getan haben. Nur um bei nächst bester Gelegenheit von ihm den selben Monolog, nur mit gegenteiliger Meinungsäußerung, zu hören. Ich lerne.

Als sich das Gespräch dann wieder um meine Schwester und deren Belange drehte, dass einzige Gesprächsthema neben Wetter, Politik und Nachbarschaftsneuigkeiten, habe ich den Mund gehalten und freundlich dem Gespräch zugehört. Einmal wurde ich nach meiner Meinung zu einem potentiellen neuen Auto, dass meine Schwester braucht gefragt und habe lapidar gesagt, dass ich nichts davon verstehe und mein Bruder da sicherlich mehr zu weiss. Die Antwort wurde kommentarlos akzeptiert und ich für den Rest des Gesprächs in Ruhe gelasssen. Ich lerne.

Dann brachten wir unsere Eltern auf ihre Zimmer. Mein Vater zog wieder los, um alle Frauen im Pflegeheim zu hoffieren. Meine Mutter begleiteten wir in ihr Zimmer, wo ich dann wieder einmal ihrer hasserfüllten eifersüchtigen Tirade über das paarungswillige Verhalten meines Vaters zuhören musste.

Meine Geschwister haben Vormundschaft und Kontovollmacht über meine Eltern und meine Schwester hat meiner Mutter noch Geld versprochen. Meine Schwester gab ihr Geld und sagte: "Siehst du du hast mehr Geld als ich in der Tasche". Meine Mutter zählte das Geld und kam auf dreizig Euro. Meine Geschwister sagten: "Nein, nein, zählt noch mal nach das ist viel mehr". Ich schaute nun aufs Bett und sah wie meine Mutter das Geld zählte. Es waren, wie sie auch feststellte, dreizig Euro. Meine Geschwister sagten: "Nein, nein, zählt noch mal. Das sind doch dreihundert Euro." Meine Mutter zählte nochmal nach und kam - genau wie ich - auf dreizig Euro. Meine Mutter schaute sehr verwirrt. Ich schaute meine Geschwister empört an. Meine Geschwister schauten mich grinsend und augenzwinkernd an und sagten zu meiner Mutter: "Nein, du irrst dich. Es sind dreihundert Euro". Mir wurde schlecht. Ich sagte erzürnd zu meinen Geschwistern, dass ich das nicht in Ordnung fände und dass man sowas nicht macht. Meine Geschwister reagierten nicht. Es wurde dazu nichts mehr gesagt.

Dann verabschiedeten wir uns von unserer Mutter und ich fragte sie, was sie noch machen wolle. Meine Mutter lächelte etwas irre und verschmitzt und sagte, sie würde jetzt meinem Vater hinterherschnüffeln und schauen, ob er wieder mit einer anderen Frau rummacht. "Der alte Bock hält sich für den Größten", sagte sie und schlich erfreut von dannen den Flur des Pflegeheims hinunter...

Am Ausgang verabschiedete ich mich von meinen Geschwistern. Sie fragten mich nach meinem Eindruck und ich sagte, dass unser Vater sich ja ganz gut eingelebt zu haben schien. Darauf meine Geschwister:"Nein, er wird  sich hier nie einleben". Komisch, dass hatte ich bisher immer gesagt und meine Geschwister sagten was anderes... Dann ging es noch ein wenig hin und her über die Rahmenbedingungen usw. Mein Bruder sagte in der Verabschiedung, dass unsere Eltern ja ganz gut aufgehoben wären. Und als wir uns alle schon zum Gehen umgedreht hatten - meine Geschwister in die eine und ich in die andere Richtung - hörte ich noch wie mein Bruder zusetzte:"Schade nur, dass es so lange dauert".

Ich ging, stieg in mein Auto und drehte mich nicht mehr um.