Es war Sommer. Ich kann nicht sagen, wie alt ich war. Fünf oder sechs oder sieben Jahre alt.
Ich wuchs in einem kleinen Haus mit einem großen Garten in einem (damals fast noch ländlichen) Vorort auf. Wir hatten eine Katze und diese hatte gerade Junge geworfen. Mein Vater hat es so gehalten, dass er die Kitten nach der Geburt immer gegen das Garagentor geworfen hat, um diese los zu werden. Anschließend wurden sie in die sich auf dem Innenhof befindende Jauchegrube geworfen. In diesem Sommer durften wir ein Kätzchen behalten. Wir vier Kinder haben uns sehr darüber gefreut und ich habe schon als Kind Tiere sehr gern gehabt und unsere Katze war das Liebste was ich kannte für mich. So freute ich mich auch an dem noch blinden Kitten sehr.
Meine Tante und mein Onkel wohnten mir unseren zwei Cousinen nebenan in dem Haus und unser Garten war nicht von deren Garten abgetrennt. So war es üblich, dass mein Onkel uns mit seinem Schäferhund sehr oft besuchen kam, um mit meinen Eltern zu reden. Der Schäferhund meines Onkels trug ein Stachelhalsband, da er wohl etwas schwierig war und mein Onkel ihn so zurückreißen konnte, wenn der Hund nicht gehorchte.
Ich erinnere mich, dass ich im Garten stand und das Kätzchen ganz sanft in meinen Händen hielt und streichelte. Mein Onkel kam mit seinem Schäferhund und der Hund bemerkte das Kätzchen in meinen Händen und jaulte leise und war ganz neugierig und wollte das Kätzchen beschnuppern. Ich ging vertrauensvoll zu dem Hund, damit er das Kätzchen beschnuppern und sich mit ihm anfreunden konnte. Ehe ich reagieren konnte, hatt er zugeschnappt und hielt den Kopf des Kätzchens in seiner Schnauze. Ich war stumm verstört und verwirrt. Das Kitten überlebte dies nicht. Sein Genick war angebrochen und so musste mein Vater es auch gegen das Garagentor werfen.
Ich erinnere mich nicht, ob etwas zu mir gesagt wurde, aber ich erinnere mich an die Ablehnung, die ich von meinen Geschwistern spürte. Ich fühlte mich schuldig.
Bis heute fühle ich mich schuldig am Tod dieses Kätzchens und für meine Dummheit.
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