Vor einem halben Jahr kamen meine Eltern ins Altenheim.
Mein Vater hatte eine Hirnblutung und musste im Krankenhaus operiert werden. Als ich diese Nachricht von meiner Schwester J. erhielt, war ich gerade auf Dienstreise. Nach dem ich wieder zuhause war fur ich die 50 km ins Krankenhaus in der Nähe des Ortes, an dem meine Familienmitglieder wohnen.
Ich hatte seit vier Jahren kein Auto. Nun fahre ich das Auto meines Vaters, das ich mit Zustimmung meiner Geschwister gegen einen geringen Preis übernehmen konnte. Mit den öffentlichen Verkehrsmitteln brauchte ich pro Strecke eineinhalb Stunden zum Krankenhaus und später zum Altenheim. So bin ich sehr dankbar für das sehr günstig übernommene Auto meines Vaters.
Ich habe meinen Vater mit den öffentlichen Verkehrsmitteln ein Mal in der Woche und ein Mal am Wochenende besucht. Meine Schwester J. und mein Bruder U. waren jeden Tag dort. Zudem kümmerten sich meine Geschwister auch um meine Mutter, die nun alleine im Haus zurecht kommen musste. Ich bin nicht zu meiner Mutter gefahren, ich habe eine Abneigung sowohl gegen das Haus, als auch gegen meine Mutter (was sich jedoch seit sie im Altersheim ist etwas gelegt hat). Was heisst, dass ich mein Elternhaus als düster und deprimierend empfinde und es dort nicht gut aushalten kann.
Meine beiden Geschwister kümmern sich aufopferungsvoll um unsere Eltern. Mein Vater kam nach seinem Krankenhausaufenthalt in eine Reha-Klink, da er durch die Kopf-OP nicht mehr reden konnte und auch sonst motorisch schlecht aufgestellt war. Jedoch wurde sein Zustand in der Rehaklink noch schlechter, so dass er schliesslich im Rollstuhl saß.
Mein Vater war mittlerweile im Alternheim. Mein Bruder erklärte mir eine Heimpflegekraft wäre zu teuer und außerdem müsste man das Haus umbauen, was kaum ausreichend möglich wäre und außerdem bekommt man weniger Pflegegeld, wenn zuhause gepflegt wird als im Altenheim. Soweit ich mich dann erkundigt habe, waren diese finanziellen Argumente nicht von der Hand zu weisen und was einen potentiellen Umbau betraf habe ich aufgrund des Berufs meines Bruders keinen Zweifel, dass er sich damit auskennt.
Als ich einmal mit meiner Schwester in dem ganzen hin und her telefonierte klagte sie: "Kannst du dir vorstellen, wie dass ist, wenn man seinen eigenen Vater ins Altenheim geben muss?!".
Meine Geschwister meinten, meine Mutter könne alleine
nicht mehr zuhause bleiben, da wäre sie überfordert. Außerdem hätte sie
angst und würde immer einen fremden Mann im Baum sitzen sehen.
Es wäre gut, wenn Sie zu meinem Vater ins Altenheim käme, es wäre dort zum Glück gerade noch ein Platz für sie frei.
So waren meine beiden Eltern innerhalb weniger Monate im Altenheim gelandet. Es ging alles so schnell.
Meine Geschwister meinten wir sollten uns einmal zusammensetzen und das Finanzielle für unsere Eltern besprechen. Wir verabredeten, dass ich einen Tag nach meinem Geburtstag zu meiner Schwester fahre und wir die Papiere gemeinsam durchgehen.
Als ich ankam, war mein Bruder schon dort, die zwei Aktenordner waren auf dem Tisch und sie beide fleißig mit den Unterlagen beschäftigt. Ich setzte mich dazu und sie erklärten mir die Lage. Irgendwie hatte ich schon keine Lust mehr darauf, mir die Papiere selbst noch einmal durchzulesen. Meine Geschwister hatten schon einiges überflüssige gekündigt. Eigentlich war schon alles erledigt, was zu diesem Zeitpunkt zu erledigen war. Ich wusste eigentlich nicht so recht, warum ich überhaupt dort saß. Ich sagte, dass ich sie selbstverständlich unterstützen würde und sie sollten mir sagen wann und wo ich helfen könnte. Sie sahen mich an und erwiederten nichts.
Einige Zeit später fragten mich meine Geschwister, ob ich etwas dagegen hätte, wenn meine Schwester J. die Kontovollmacht und mein Bruder U. die Vormundschaft für unsere Eltern übernehmen würden. Es war eigentlich schon alles so auf den Weg gebracht. Warum hätte ich etwas dagegen haben sollen, sie kümmerten sich doch sowieso um alles, wie Wäsche, Pflegemittel bringen, bei den Pflegerinnen als Kontakt stehen usw., und ich habe meine Eltern ja nur besucht.
Wie schon erwähnt habe ich das Auto von meinem Vater übernommen, er war einverstanden. Und es wurde mit meinem Bruder abgemacht, dass ich es zum günstigsten regulären Preis kaufen würde. Um den Kaufvertrag klar zu machen fur ich zu meinem Bruder, der zwischenzeitlich im Haus meiner Eltern wohnte, um nach dem Rechten zu sehen und sich um die Katze zu kümmern.
Als ich dann ihm gegenüber saß, reichte er mir die Papiere und sagte ich könne das Auto so haben, es wäre unserem Vater sicherlich recht. Sollte ich das ablehnen? Ich sagte, dass ich zumindest einen Symbolischen Kaufpreis zahlen wollte und auch gerne einen offiziellen Kaufvertrag mit ihm unterzeichnen wollte. So wurde es vereinbart.
Dann sagte meine Bruder er würde gerne in dem Haus wohnen. Er würde, wenn unsere Eltern nicht mehr leben, dass Haus übernehmen wollen (ich wusste, dass dies der Wunsch meines Vaters war) und und mich dann auszahlen. Unsere Schwester J. hätte mit dem Grundstück schon mehr als ihren Anteil erhalten und vielleicht würde unser Bruder A. ja auch auf seinen Erbteil verzichten. Und mich würde er auszahlen, abzüglich dessen was ich schon einmal von meinen Eltern erhalten habe. Er hätte bisher ja als einziger noch nicht bekommen. Er wolle natürlich das Haus schon jetzt ein wenig auf seine Bedürfnisse umbauen und das würde ihn ja auch Geld kosten.
Er wollte also erstmal das Haus mieten und das Geld auf ein Tagesgeldkonto für unsere Eltern deponieren wollen. Ich fragte, warum auf ein Tagesgeldkonto und nicht auf das normale Girokonto, wie es bei Mieten üblich ist und schließlich leben unsere Eltern doch davon, dann wäre das doch gut so. Er hätte es nur so praktischer gefunden, dies wäre aber natürlich auch o.k. Ich habe keine Ahnung wie das nun läuft, da ich ja keine Kontoauszüge sehe.
Ich meinte er hätte doch gesagt, dass das Geld unserer Eltern nur noch ca. 5 Jahre für die Pflege reichen würde und man evtl. dass Haus verkaufen müsste. Er sagte unsere Eltern würden keine fünf Jahre mehr leben. Und ich fragte: "und das weisst du??". Er sagte:" Ja, dass weiss ich!". Ich habe daraufhin nichts mehr gesagt.
Meine Geschwister kümmern sich aufopferungsvoll um unsere Eltern im Altenheim. Ich habe es noch nie anders erlebt, als dass sie zu zweit dort aufgetaucht sind, in einstimmiger, sich unterstützender Symbiose. Sie kümmern sich um neue Kleidung, Frsörtermine, Arztbesuche, Fusspflege, Fernseher, Zeitungen, Blumen usw. usf..... Ich komme alle ein bis zwei Wochen zu Besuch mit dem Auto, für das ich dankbar bin.
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